Schau mir in die Augen
Der Computerbildschirm erwidert den Blick
S. B. Das ist ein Bildschirm, der einem in die Augen schaut, das ist
ein Computer, der sich nach einem umdreht. Diesen Computer – QB1
genannt – kann man zwar noch nicht kaufen, aber bereits hat die
Produktion einer Vorserie begonnen. Die ersten Geräte sollen in wenigen
Monaten zu Testzwecken in ausgewählten Westschweizer Haushalten
aufgebaut werden. Vom schwarzen Stoffüberzug abgesehen ähnelt der QB1
bezüglich der Hardware-Ausstattung und der Software-Architektur einem
herkömmlichen Personal Computer. Aber: Der QB1 besitzt weder Tastatur
noch Maus. Gesteuert wird er mittels Gesten, die eine im Bildschirm
untergebrachte 3-D-Kamera zu interpretieren weiss. Diese Kamera
erkennt, wo im Raum es Menschen hat, wer diese Menschen sind und was
sie dem Computer zu sagen haben. Die Distanz zwischen Mensch und
Maschine kann dabei bis zu fünf Meter betragen. Der Mensch muss sich
nicht vor den Bildschirm stellen, der Bildschirm wendet sich ihm zu.
Die Entwicklung des QB1 wurde hauptsächlich von Frédéric Kaplan und
Martino d'Esposito vorangetrieben. Kaplan arbeitet als Forscher im
Center for Research and Support for Training and its Technologies an
der ETH Lausanne (EPFL); der Industriedesigner Marino d'Esposito ist in
derselben Stadt Lehrer an der Kunsthochschule. Die beiden wollten einen
Computer kreieren, der sich den Menschen anpasst, auf ihre Wünsche
eingeht. Vor einem Jahr wurde ein Prototyp des Systems an der
Ausstellung «Design and the Elastic Mind» im New Yorker Museum of
Modern Art erstmals öffentlich vorgeführt. Die Vorführung sei auf
grosses Publikumsinteresse gestossen, erklärt Kaplan im
Telefoninterview, deshalb habe man beschlossen, das Forschungsprojekt
zu kommerzialisieren. Zu diesem Zweck wurde als Spin-off der EPFL eine
Firma namens OZWE gegründet. An der Entwicklung des QB1 beteiligten
sich neben Hochschulinstituten auch mehrere Westschweizer Unternehmen,
darunter die Jungfirma Bluebotics. Verschiedene Innovationen des QB1
sollen zum Patent angemeldet worden sein.
Die Forschungsarbeit hinter QB1 beschäftigt sich mit Fragestellungen
der Robotik und der künstlichen Intelligenz. Eine Besonderheit des
Systems sei es, so Kaplan, dass es überflüssige Handbewegungen
ignorieren könne, nur die beabsichtigten, für den Computer gedachten
Gesten zur Kenntnis nehme. Zudem könne es Gesichter erkennen und so auf
individuelle Präferenzen eingehen. Schliesslich sei es lernfähig: In
seinem ersten Einsatz als Jukebox soll der QB1 den Musikgeschmack der
verschiedenen Familienmitglieder mit zunehmender Treffsicherheit
erraten können. Kaplan vergleicht die Bedeutung des QB1 mit der
Erfindung der Computermaus. Es würden hier völlig neue Möglichkeiten
der Mensch-Maschine-Interaktion geschaffen. Doch genau so, wie die Maus
erst zusammen mit einer grafischen Benutzeroberfläche sich sinnvoll
einsetzen lasse, müsse auch für die Gesten erkennende 3-D-Kamera des
QB1 eine passende Software-Schnittstelle erst entwickelt werden.
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