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Schau mir in die Augen
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Neue Zürcher Zeitung / 06.03.2009
Schau mir in die Augen

Der Computerbildschirm erwidert den Blick

S. B. Das ist ein Bildschirm, der einem in die Augen schaut, das ist ein Computer, der sich nach einem umdreht. Diesen Computer – QB1 genannt – kann man zwar noch nicht kaufen, aber bereits hat die Produktion einer Vorserie begonnen. Die ersten Geräte sollen in wenigen Monaten zu Testzwecken in ausgewählten Westschweizer Haushalten aufgebaut werden. Vom schwarzen Stoffüberzug abgesehen ähnelt der QB1 bezüglich der Hardware-Ausstattung und der Software-Architektur einem herkömmlichen Personal Computer. Aber: Der QB1 besitzt weder Tastatur noch Maus. Gesteuert wird er mittels Gesten, die eine im Bildschirm untergebrachte 3-D-Kamera zu interpretieren weiss. Diese Kamera erkennt, wo im Raum es Menschen hat, wer diese Menschen sind und was sie dem Computer zu sagen haben. Die Distanz zwischen Mensch und Maschine kann dabei bis zu fünf Meter betragen. Der Mensch muss sich nicht vor den Bildschirm stellen, der Bildschirm wendet sich ihm zu.

Die Entwicklung des QB1 wurde hauptsächlich von Frédéric Kaplan und Martino d'Esposito vorangetrieben. Kaplan arbeitet als Forscher im Center for Research and Support for Training and its Technologies an der ETH Lausanne (EPFL); der Industriedesigner Marino d'Esposito ist in derselben Stadt Lehrer an der Kunsthochschule. Die beiden wollten einen Computer kreieren, der sich den Menschen anpasst, auf ihre Wünsche eingeht. Vor einem Jahr wurde ein Prototyp des Systems an der Ausstellung «Design and the Elastic Mind» im New Yorker Museum of Modern Art erstmals öffentlich vorgeführt. Die Vorführung sei auf grosses Publikumsinteresse gestossen, erklärt Kaplan im Telefoninterview, deshalb habe man beschlossen, das Forschungsprojekt zu kommerzialisieren. Zu diesem Zweck wurde als Spin-off der EPFL eine Firma namens OZWE gegründet. An der Entwicklung des QB1 beteiligten sich neben Hochschulinstituten auch mehrere Westschweizer Unternehmen, darunter die Jungfirma Bluebotics. Verschiedene Innovationen des QB1 sollen zum Patent angemeldet worden sein.

Die Forschungsarbeit hinter QB1 beschäftigt sich mit Fragestellungen der Robotik und der künstlichen Intelligenz. Eine Besonderheit des Systems sei es, so Kaplan, dass es überflüssige Handbewegungen ignorieren könne, nur die beabsichtigten, für den Computer gedachten Gesten zur Kenntnis nehme. Zudem könne es Gesichter erkennen und so auf individuelle Präferenzen eingehen. Schliesslich sei es lernfähig: In seinem ersten Einsatz als Jukebox soll der QB1 den Musikgeschmack der verschiedenen Familienmitglieder mit zunehmender Treffsicherheit erraten können. Kaplan vergleicht die Bedeutung des QB1 mit der Erfindung der Computermaus. Es würden hier völlig neue Möglichkeiten der Mensch-Maschine-Interaktion geschaffen. Doch genau so, wie die Maus erst zusammen mit einer grafischen Benutzeroberfläche sich sinnvoll einsetzen lasse, müsse auch für die Gesten erkennende 3-D-Kamera des QB1 eine passende Software-Schnittstelle erst entwickelt werden.